Wie Sie das Potential Ihres Unternehmens zerstören – Der Pygmalion Effekt.

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Sie kennen die Situation vielleicht, in der Vergangenheiten haben Ihre Leute immer Topleistungen gebracht aber irgendwie scheint in den letzten Monaten die Luft raus zu sein. Es fängt mit einer Kleinigkeit an und dann kommt Eins nach dem Anderen. Die Probleme werden immer größer, das Team scheint nicht mehr wirklich mit zu ziehen.

Die Macht der Erwartung

Stellen Sie sich folgende Situation vor. Sie sind Lehrer an einer Grundschule, an der ein neues System für die Klasse eingeführt wird. In dem neuen System wird eine so genannte Bloomers Klasse eingeführt. In die Bloomers Klasse kommen die Schüler, die großes Potential haben auch wenn sich das bisher noch nicht gezeigt hat. Für die Zuordnung werden alle Schüler getestet und die 20% der „High Potentials“ kommen in die Bloomers Klasse, der Rest verbleibt in den bisherigen Klassen. Am Ende des Jahres werden alle Schüler erneut getestet. Was glaubt Sie wie die Ergebnisse am Ende des Schuljahres sein werden? Es ist naheliegend, dass die Bloomers Klasse bessere Ergebnisse erzielt, oder?

Genau dieses Experiment wurde 1965 von Robert Rosenthal und Lenore F. Jacobson durchgeführt. Und tatsächlich die Bloomers Klasse hat nach einem Jahr signifikant besser abgeschnitten als die normale Klasse.

Die Ergebnisse dieser Studie wurden 1966 im Artikel „Teachers’ Expectancies: Determinants Of Pupils’ IQ Gains“ im Journal Psychological Reports, veröffentlicht. Wie Sie sich vielleicht schon gedacht haben, war der Versuchsaufbau etwas anders als es den Lehrern zunächst gesagt wurde. Tatsächlich wurden per Los Verfahren bestimmt welches Kind in welcher Gruppe gelandet ist, und die Tests die mit den Kindern gemacht wurden, waren IQ Tests um zu bestimmen ob es einen Unterschied in der Entwicklung Test Gruppe, die Bloomers Klasse, und der Kontrollgruppe, die normale Klasse, gibt.

Das Ergebnis der Studie war also, dass sich eine zufällig ausgewählte Gruppe an Schülern, deren Rahmenbedingung gleich waren (gleiche Schule, gleiche Lehrer usw.) besser entwickelt, wenn man nur einen Faktor ändert. Nämlich die Erwartungshaltung des Lehrers.

Jetzt könnte man denken: „Naja die Schüler sind ja nicht blöd, die haben irgendwie rausbekommen, warum sie in zwei Gruppen geteilt wurden und waren demotiviert weil sie in der „dummen“ Klasse gelandet sind bzw. motiviert weil sie in der „klugen“ Klasse gelandet sind.“ Ok, ist ein Punkt den man in Betracht ziehen musss.

Motivierte Ratten

Interessant ist, das besagter Robert Rosenthal auch noch ein anderes Experiment durchgeführt hat, das wurde bereits zwei Jahre vor dem Schulexperiment 1963 im Artikel „The Effect of Experimenter Bias on the Performance of the Albino Rat“ in Behavioral Science veröffentlicht. Wie Sie am Titel schon erkennen können, ging es in dem Fall nicht um Schüler sondern um Ratten. In diesem Experiment wurden 12 Student jeweils 5 Ratten gegeben. Dabei wurde der Hälfte gesagt, dass es sich um einen besonders dummen Stamm an Ratten handele und der anderen Hälfte wurde gesagt, dass es sich um einen besonders intelligenten Stamm an Ratten handele. Wir Sie sich schon denken können, waren beide natürlich aus exakt dem gleichen Stamm. Die beiden Gruppen sollten jeweils versuchen ihre Ratten so zu trainieren, dass sie möglichst schnell ein Labyrinth durchqueren und dafür entsprechend belohnt wurden. Und tatsächlich zeigte sich auch in diesem Versuchsaufbau, dass die vermeintlich schlauen Ratten die Aufgabe um 47% schneller lösten, als die vermeintlich dummen Ratten. Dieser Unterscheid war signifikant.

Da es recht unwahrscheinlich ist, dass die Ratten verstanden haben, welche die vermeintlich dumme und welche die vermeintliche schlaue Gruppe ist, sie aus der gleichen Population stammten und die gleiche Aufgabe lösen mussten, bleibt nur noch der Student und dessen Erwartungen an die Ratte als variable.

Was können Sie daraus lernen?

Die Erwartung die Sie an Andere stellen beeinflussen deren Verhalten und umgekehrt. Wenn wir als Lehrer, als Führungskraft, als Eltern also hohe Erwartungen an die uns anvertrauten Personen stellen, dann werden diese auch bessere Ergebnisse erzielen. Wenn ich in diesem Zusammenhang von Erwartung spreche, dann meine ich damit nicht, die Erwartung, dass eine Höchstleistung erzielt wird. Was ich damit meine ist, die Erwartung das die Personen in der Lage sind Höchstleistungen zu erzielen. Das ist in der Praxis wichtig, da sich sonst bei unserem Gegenüber schnell Frustration einstellt. Da sich dieser Erwartungseffekt sowohl positiv als auch negativ auswirken kann, habe ich für Sie jetzt noch 3 Tipps.

  1. Machen Sie aus kleinen Erfolgsmücken einen Elefanten.
    Gerade dann, wenn Projekte langsam vorankommt oder Mitarbeiter durch Rückschläge demotiviert sind, können Sie die Perspektive wieder korrigieren. Selbst wenn das nur dadurch geschieht, dass Sie die wichtigsten Lehren einer Rückschlags in den Vordergrund stellen.
  2. Verweisen Sie immer wieder darauf, was er schon erreicht hat
    – vor allem, wenn der Mitarbeiter gerade strauchelt. Fortschritt ist hochgradig motivierend. Wenn Mitarbeiter den Eindruck haben, dass sie nicht vorwärtskommen, ist das sehr de-motivierend. Zeigen Sie daher immer wieder auf, wie weit man schon gekommen ist und dass Phasen des scheinbaren Stillstands auch Teil der Entwicklung sind.
  3. Suchen Sie nicht nach Fehlern, sondern nach den Lehren daraus
     – und diese kommunizieren Sie diese positiv „Warum können wir froh darum sein, diese Erkenntnis (bereits jetzt) zu haben?“.

Schließen möchte ich mit einem Zitat, aus dem Buch „Reinhold Würth: Der Herr der Schrauben„, dass die Auswirkung des Erwartungseffektes in der Arbeitswelt gut beschreibt.

Wenn wir glauben, unsere Mitarbeiter seien zu 75 Prozent Leute, die stehlen, faul, schlecht qualifiziert und dumm sind, dann haben wir genau diesen Mitarbeiterstamm.

Sind wir aber umgekehrt sicher, dass 98 Prozent unserer Belegschaft eine Superleistung erbringen, einsatzfreudig, leistungswillig und dem Unternehmen gegenüber positiv eingestellt sind, dann haben wir unser Haus in Ordnung, denn dann haben wir eine gut motivierte und positiv gestimmte Mannschaft, die tolle Leistungen hervorbringt.

Quellen:

Studie mit Ratten: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/a…

Studie mit Schülern: https://journals.sagepub.com/doi/10.2…

Biographie Rheinhold Würth: https://www.amazon.de/Reinhold-W%C3%B…

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