Ideen finden die Gold wert sind – Innovationsdigging

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Eine problematische Situation

Irgendwo mitten in Deutschland bei einem Mittelständischen Unternehmen: In einem kleinen Konferenzraum sitzt ein Entwicklungsleiter mit seinem Team. Sie sitzen bereits seit zwei Stunden und versuchen in einem „Brainstorming“ neue Ideen zu entwickeln. Die Firmenleitung hat Innovationen… angeordnet… denn die Firma verliert Marktanteile an die billige Konkurrenz aus Asien. Gar nicht so leicht, sich noch etwas Innovatives einfallen zu lassen, bei einer Firma die seit 35 Jahren die (im Prinzip) gleichen Produkte vertreibt. Nach einigen frustrierenden Stunden, wird das Meeting beendet und alle gehen zurück an ihren Arbeitsplatz ohne eine echten Schritt vorwärts gekommen zu sein.

Kennen Sie das? So oder so ähnlich findet es tagtäglich im deutschen Mittelstand statt. Die gleichen Menschen versuchen auf den gleichen Wegen vollständig neue Ergebnisse zu generieren. Einstein würde sage: „Das ist die Definition von Wahnsinn.“

Welcher Weg führt heraus?

Wäre es nicht toll, wenn es eine Möglichkeit geben würde, wie das Team auf vollkommen neue Suchfelder und neue Ideen kommt? Eine Methode bei der dir unterschiedlichen Charaktere jeweils Ihre Stärken einbringen können?

Gute Nachrichten, es gibt tatsächlich viele tolle Möglichkeiten neuen Wind in den Innovationsprozess zu bringen und das ohne große Investitionen, ohne für eine Woche in ein Schweigekloster zu gehen und ohne eine sündhaft teure 20-minütige Key-Note auf der nächste Firmenfeier.

Heute möchte ich Ihnen eine Methode vorstellen, wie Sie und ihr Team sich selbst neue Gedankenfelder erschließen können die das gesamte Spektrum an Innovation von inkrementell bis radikal, nach sich ziehen können. Dabei suchen wir nach echtem Gold. Denn genau das sind Innovationen in der heutigen Zeit, Gold in dessen Glanz das Team erstrahlt und bares Geld auf immer schnelllebiger werdenden Märkten.

Das Innovationsdigging – Die Schritt für Schritt Anleitung

Bei dieser Methode wird eine Matrix erstellt, die Berührungspunkte und Nutzendimension gegenüberstellt. Dabei geht man wie folgt vor.

  1. Man nimmt sich eine möglichst großes Blatt Papier, beispielsweise von einem Flipchart.
  2. Man notiert eine konkrete Fragestellung als Überschrift. z.B. „Mit welchen innovativen Benefits können wir unseren neuen Staubsauger ausstatten?“
  3. Nun sammelt das Team alle Berührungspunkte zwischen dem Kunden und dem Produkt, diese Punkte sollten, nach Möglichkeit den gesamten Lebenszyklus abdecken. Diese Berührungspunkte werden mit Hilfe von Verben dargestellt. Das könnte im Beispiel des Staubsaugers sein (a) kaufen, (b) auspacken, (c) Staubsaugerbeutel einlegen, (d) Staubsaugen, (e) weg räumen, (f) Beutel leeren, (g) Entsorgung usw. . All diese Punkte werden anschließend als Zeilenbeschriftung in der Senkrechten der Matrix eingetragen.
  4. Anschließend sammelt das Team als Nutzendimension, die zu dem Produkt passen, diese werden immer durch Adjektive ausgedrückt. Für den Staubsauger könnte das beispielsweise sein. (1) leiser, (2) schneller, (3) sicherer, (4) nachhaltiger, (5) kompakter, (6) sauberer usw. . Nachdem alle naheliegenden Adjektive ausgelistet wurden, ergänzen Sie noch eine auf den ersten Blick abwegig klingende Adjektive wie (7) erotischer, (8) leckerer, (9) heller. Diese abwegigen Begriffe bergen die größte Chance um komplett neue, noch nie dagewesene, Ideen zu generieren. All diese Begriffe werden anschließend als Spaltenbeschriftung in die Waagerechte der Matrix eingetragen.
  5. Nun gehen die Teammitglieder alle Wortpaare (z.B. „schneller kaufen“; „nachhaltiger Staubsaugen“ oder „erotischer wegräumen“) aus der Matrix durch und notieren konkrete Ideen die Ihnen dazu einfallen oder auch vielversprechende Suchfelder die so noch nie angegangen wurden, auch wenn nicht sofort eine konkrete Idee vorliegt.
Innovationsdigging Matrix

Neue Ideen, neue Suchfelder und noch mehr!

So kann ein Team, auch ohne neue Impulse von außen in kurzer Zeit viele neue Ideen generieren und zukünftige Suchfelder erschließen. Doch neben diesen offensichtlichen Ergebnissen und Vorteilen dieser Methode bringt so noch viele andere mit. Auf die wichtigsten möchte ich jetzt noch kurz Eingehen.

Zunächst senkt, das Tool deutlich die Kosten die im Ideenfindungsprozess entstehen. Dieser ist häufig von langen Workshops ohne sichtbares Ergebnis geprägt, das kostet zum Einen Zeit und führt zum Anderen zu Frustration bei den Beteiligten.

Des Weiteren bietet die Methode sowohl für strukturliebende als auch für chaotisch kreative Teammitglieder die Möglichkeit Ihrer Stärken einzubringen. Das stärkt den Zusammenhalt im Team und führt dazu, dass die Teammitglieder die Stärken der anderen besser kennen und schätzen lernen. So kann diese Methode einen positiven Einfluss auf die gesamte weitere Zusammenarbeit haben.

Der dritte Punkt den ich hervorheben möchte, ist das die entstandene Matrix sowohl für das aktuelle Projekt als auch für nachfolgende oder parallele Projekte immer als Anstoß für neue Inspiration genutzt werden kann. Dafür muss die Matrix, lediglich für alle gut sichtbar, beispielsweise im Meetingraum, aufgehängt werden. Sollte man einmal ins Stocken geraten, hat man immer die Möglichkeit nochmal einen Blick auf die generierten Ideen und Suchfelder zu werfen.

Fazit

Innovationsdigging ist eine effiziente Methode sowohl um mit eingespielten Teams neue Ideen abseits der bekannten Pfade zu finden, als auch um mit einem neuen Team schnell in einen produktiven Arbeitsmodus zu kommen. Sie besticht dadurch, dass Sie sowohl Struktur und Orientierung bietet, gleichzeitig jedoch den kreativen Freiraum, der in einem Innovationsprozess benötigt wird. Durch den geringen Bedarf an Vorbereitung, kann die Methode sogar spontan auf einem Bierdeckel oder Serviette angewendet werden. Insgesamt handelt es sich also um ein Tool, dass in vielen Situationen einen großen Mehrwert bieten kann.

Ich bin daher überzeugt, dass es sich für jeden lohnt diese Methode einmal zu testen. Selbst wenn in einem ersten Anlauf nicht die bahnbrechende Neuheit entsteht, wird das Team es als interessante Abwechslung und eine Bereicherung empfinden und wer weiß, vielleicht ist findet man doch „The next big Thing“.

Literatur

  • Innovationdigging: …oder systematische Ideenausgrabungen im Tal der verborgenen Suchfelder – Benno van Aerssen, Tamer Kemeröz – Books on Demand – 2013
  • https://www.ideenfindung.de/Innovationdigging-Managementmethode-Ideenfindung.html

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